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  • Autorenbildnannieppner

Trauerschmerz



Vor 7 Jahren habe ich auf dem Friedhof gestanden und mich mit einer Wahrheit konfrontiert gesehen, die ich nicht wollte. Meine Mama ist verstorben, nur wenige Monate, nachdem ich selbst Mama geworden bin. Auf einmal war ich nicht mehr das Kind, das Suppe bekommt, wenn es krank ist (jetzt macht das immer meine Freundin ❤️), das Mama anruft, wenn es Erinnerungen teilen möchte oder einen Ratschlag braucht, auf einmal fehlt da ein Mensch, der mich bedingungslos geliebt hat und diese Liebe auch meinen Kindern geben würde. Ich war traurig, wollte stark sein, für mich und für mein Kind, wurde wütend und zog mich zurück. Ich wurde noch wütender und krank und manchmal überfiel mich die Trauer hinterrücks und nahm mir jegliche Kontrolle.


Ich wurde noch einmal Mama und ging raus. Stundenlang. Allein mit meinen Kindern. Eins im Wagen, eins tragend. Durch den Wald, übers Feld, dort wo mir niemand begegnet. Die Bewegung in der Natur half mir mich wieder zu finden. Zugang zu mir und meinen Gefühlen zu schaffen, Blockaden zu lösen, mich zu sehen und zu spüren. Die Zeit in der Natur setzte meinen Heilungsprozess in Gang.


Ich wünsche dir, wenn du in die Situation der Trauer kommst, dass du dir Zeit und Raum nimmst, dass du dich nicht verkriechst, sondern raus gehst. In den Wald, auf den Berg, in Wiesen, whatever. Dass du nicht gelernt hast, dass stark sein bedeutet nicht zu trauern, sondern dass es bedeutet durch die Trauer zu gehen. Dass du nicht verlernst dich und deine Gefühle zu spüren und dass du sie ernst nimmst, egal wieviele Tage schon vergangen sind. Es gibt keine Normen für Trauer, du darfst sie fühlen, wie du möchtest. Ob für dich allein oder mit Freund*innen. Und es gibt keinen Zeitraum, in dem du deine Trauer wieder ablegen musst. Ich wünsche dir, dass du bei dir sein kannst und ich bin mir ziemlich sicher, dass dein Schmerz sich dann irgendwann verändert.

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